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„Ich sitze in Deutschland fest“

Im Interview: Die Italienerin Loan Le über die Corona-Krise und ihre Deutschlandpremiere beim Zweitligisten TTC Langweid

Nach verkürzt-verlängerter Premierensaison geht Loan Le auch in der kommenden Spielzeit für den TTC Langweid auf Punktejagd. Foto: Andreas Lode

Es war Samstag, der 7. März 2020 und Loan Le saß nach verlorenem Heimspiel gegen die Füchse Berlin am späten Abend noch mit ihren Teamkolleginnen vom Damen-Zweitligisten TTC Langweid in einer Ferienwohnung zusammen, in der die ansonsten überwiegend „auswärts“ lebenden Spielerinnen während ihrer Trainings- und Punktspielaufenthalte stets gemeinsam wohnen. Der Schock über die 3:6-Niederlage im Kellerduell war noch nicht verdaut, als die 22-jährige Italienerin mit vietnamesischen Wurzeln schon die nächste Hiobsbotschaft erreichte: „Die Lombardei wird wohl noch in dieser Nacht zur sogenannten roten Zone erklärt. Das bedeutet: Ich kann nicht wie geplant am Montag zurück nach Hause. Ich sitze hier in Deutschland fest“, teilte sie u.a. den Klubverantwortlichen via WhatsApp mit.

Wie Loan Le fortan die Corona-Krise und ihre Premierensaison in Deutschland erlebte, erzählt sie im folgenden Interview: 

BTTV: Corona hat deinen Aufenthalt in Deutschland unfreiwillig und ungeplant gewaltig verlängert. Aus wenigen Tagen wurden mehrere Wochen. Wo und wie hast du die Zeit verbracht? 

Loan Le: Ja, das stimmt: Die Corona-Krise hat mich gezwungen statt nur weniger Tage gleich mehrere Wochen in Deutschland zu bleiben, doch obwohl der Aufenthalt dem Grund nach unfreiwillig war, konnte ich die Zeit auch genießen. Dank meines Freundes [Bad Königshofens TTBL-Profi und Jung-Nationalspieler Kilian Ort, Anm. d. Red] hatte ich eine Unterkunft und konnte sogar trainieren, da er einen Tisch daheim hat. Weil ich nicht darauf eingestellt war so lange zu bleiben, hatte ich natürlich nicht viele Sachen dabei. Kleidungsmäßig war ich nur mit ein paar Tischtennis-Klamotten ausgestattet, aber auch das war kein allzu großes Problem. Wirklich schwierig war es dagegen einen Weg zu finden, um wieder nach Hause zu kommen. Die Situation in Norditalien und speziell in der Lombardei war bekanntlich sehr schlimm und es gab kaum Flug-, Zug- oder Busverbindungen dorthin; aber irgendwann hatte ich Glück und fand im April einen relativ günstigen Flug zurück. 

BTTV: Du bist seit einigen Wochen nun wieder zurück in deiner italienischen Heimat in der Lombardei, einer der von Corona weltweit am härtesten betroffenen Regionen. Wie hast du die Lage und Entwicklung dort erlebt? Kehrt inzwischen auch dort wieder etwas Normalität ein? Und wie sieht diese aus? 

Loan Le: Eine Situation wie bei meiner Rückkehr nach Italien habe ich noch nie erlebt: Es war ein ganz merkwürdiges Gefühl, die ansonsten so belebten Straßen menschenleer zu sehen. Ich musste mich auch direkt für zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben, um sicherzugehen, dass ich mir das Virus nicht eingefangen hatte. Wenn man bedenkt wie hart Corona unsere Region getroffen hat, hatten meine Familie und ich wirklich ganz großes Glück, dass niemanden von uns erkrankt ist oder zumindest niemand Symptome zeigte. Langsam kehrt nun auch etwas Normalität zurück: Ich kann mich wieder mit Freunden treffen, meine Familie besuchen und darf seit Mai auch wieder trainieren. Im Freien gilt bei uns aber weiterhin Maskenpflicht, da die Infektionszahlen in der Lombardei immer noch höher sind als im restlichen Italien. 

BTTV: Du spielst seit vergangener Saison beim TTC Langweid in der 2. Bundesliga. Ausgerechnet am letzten, ausgetragenen Spieltag seid ihr auf den einzigen Abstiegsplatz abgerutscht, konntet dank des Startverzichts anderer Teams letztlich aber die Klasse halten. Wie hast du deine Premierensaison in Langweid und überhaupt in Deutschland erlebt und wie sieht deine Mannschaft in der kommenden Saison aus? 

Loan Le: Meine erste, noch recht kurze Erfahrung in Deutschland war sehr positiv: Der TTC Langweid ist ein Verein mit einer großen Geschichte und ich bin froh über die Chance, hier spielen zu dürfen und in der 2. Bundesliga starke Gegner zu haben. Die Leute in Langweid sind alle wirklich nett und haben - egal worum es geht - immer ein offenes Ohr für uns Spielerinnen. Als Team passen wir einschließlich unserer Betreuerin Cennet Durgun super zusammen und sind - obwohl wir uns zuvor maximal vom Sehen kannten - schon gute Freunde geworden. Sportlich war es für uns als Neulinge in der 2. Bundesliga nicht leicht, zumal wir keine „echte“ Nummer vier hatten; Cennet musste meistens nicht nur coachen, sondern auch selber spielen. So konnten wir die Klasse am Ende nur dadurch halten, das andere Teams zurückgezogen haben oder nicht aufsteigen wollten. In der kommenden Saison wollen wir uns natürlich steigern. Alle bisherigen Spielerinnen sowie Coach Cennet sind geblieben und mit der 18-jährigen Charlotte Bardsley aus England haben wir Verstärkung bekommen. Sie und ich sind vorne gemeldet, Nathaly Paredes und Vitalija Venckute hinten. 

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